STUVA Nachrichten
Tunnelbauer trafen sich auf der STUVA-Tagung 2011
Seit vielen Jahren als „Familientreffen der Tunnelbauer“ etabliert und in Fachkreisen geschätzt, war auch die STUVA-Tagung vom 6. bis 8. Dezember 2011 auf dem Messegelände Berlin mit mehr als 1.400 Teilnehmern ein großer Erfolg.
Nach 1981 und 1997 fand die STUVA-Tagung zum dritten Mal in Berlin statt, eine Stadt im Flachland mit einer dennoch langen Tunnelbautradition. Bereits Ende des vorletzten Jahrhunderts wurde hier weit vorausschauend mit dem Bau einer U-Bahn begonnen, damals noch vorwiegend in offener Bauweise. Einen Höhepunkt im Bereich des Tunnelbaus erlebte die Stadt, als zahlreiche Vorhaben im Zuge der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit und des Ausbaus des Straßen- und Schienennetzes der neuen Hauptstadt in Angriff genommen wurden. Viele dieser Projekte weisen zumindest bereichsweise eine unterirdische Streckenführung auf, ohne die eine stadtverträgliche Realisierung erst gar nicht möglich gewesen wäre. Man erkannte in Berlin bereits zu einem frühen Zeitpunkt, dass sich Probleme durch das zunehmende Verkehrsaufkommen nur durch Verlagerung des Verkehrs unter die Erde umweltvertraglich lösen lassen. Dr. Kunst von der Senatsverwaltung Berlin referierte in dem Eröffnungsvortrag zur Verkehrsentwicklung in Berlin unter Berücksichtigung der Aufhebung der Kopfbahnhöfe.
Der Vorsitzende des STUVA-Vorstandes, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Martin Ziegler, erläuterte in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit des Ausbaus der Infrastruktur, um auch in Zukunft eine prosperierende Gesellschaft zu ermöglichen. Um sich nicht selbst die Lebensgrundlage zu entziehen muss dieser Ausbau nachhaltig und umweltgerecht erfolgen. So lautete das Motto der Tagung „Unterirdisches Bauen für zukunftsfähigen Umwelt- und Klimaschutz.
Ziegler machte darauf aufmerksam, dass sich heutzutage vermehrt Großprojekte auf Grund heftiger Widerstände in der Bevölkerung nur schwer umsetzen lassen. Er plädierte dafür, dass die Notwendigkeit der unterirdischen Trassenführung der Bevölkerung näher gebracht werden müsste. Ein Schritt in diese Richtung wurde mit dem Grundsatzvortrag vorgestellt, der sich der Frage „Zuschauer, Gegner oder Beteiligte?“ widmete und sich mit der Verbesserung der Akzeptanz von Großprojekten in der Bevölkerung beschäftigte (Bild 1).
Die sich anschließende Vortragsreihe beschäftigte sich mit dem breiten Spektrum des Unterirdischen Bauens:
• Internationale Großprojekte
• Sicherheit im Tunnelbau
• Rechtsfragen
• Brandschutz
• Tunnellüftung, Tunnelbetrieb
• Maschineller Tunnelbau
• Tunnelsanierung, Tunnelertüchtigung
Abgeschlossen wurde die Vortragsreihe von einem Themenblock zum Unterirdischen Bauen im Berliner Raum.
Die Besichtigungen am dritten Veranstaltungstag rundeten die Veranstaltung ab und boten thematisch sehr unterschiedlich Einblicke in einzelne Stationen der Berliner Infrastruktur. „Berlin von unten“ lernten die Teilnehmer auf der wohl ungewöhnlichsten Stadtrundfahrt Berlins kennen: mit einem offenen U-Bahn-Cabrio ging es auf Entdeckungsfahrt durch die Berliner U-Bahn-Tunnel. In einem Diskussionsforum stellten sich die Beteiligten der geplanten Baumaßnahme „U5“ den Expertenfragen. Der Umbau des Ostkreuzes als wichtigster Verkehrsknoten im Berliner Nahverkehr wurde vorgestellt und die Feuerwehr-Übungsanlage der BVG lud zu einer Vorführung unter realitätsnahen Bedingungen ein. Abgestimmt auf die Teilnehmer der STUVA-Tagung zeigte eine fachkundig geführte Stadtrundfahrt Verkehrsbauten, die in Zusammenhang mit der Neugestaltung der Berliner Innenstadt vor und nach 1990 entstanden. Vor allem die unterirdische Anbindung an das Schienennetz war Thema der Exkursion zum Flughafen Berlin Brandenburg International und der Bau moderner Schienenfahrzeuge wurde in Bombardiers größtem Engineering- und Produktionsstandort in Deutschland vorgestellt.
Einen neuen Rekord gab es bei der zweitägigen tagungsbegleitenden Fachausstellung zu verzeichnen: in diesem Jahr wurden mehr als 2.000 Nettoquadratmeter von 130 in- und ausländischen Unternehmen aus den Bereichen Ausführung, Zulieferindustrie, Planung und Beratung genutzt, um ihre Produkte und Leistungen zu präsentieren. Bereits Wochen im Voraus war die gesamte Ausstellungsfläche vergeben (Bild 2).
STUVA-Preis 2011
Anlässlich der STUVA-Tagung verleiht die Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen e.V. – STUVA – alle zwei Jahre den STUVA-Preis für herausragende Leistungen und Innovationen auf dem Gebiet des unterirdischen Bauens, um die Idee der Nutzung des unterirdischen Raumes in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit zu fördern.
2011 wurde der STUVA-Preis an das Projekt „Citybanan“ in Stockholm verliehen. Die Citybanan ist ein 6 km langer zweigleisiger S-Bahn-Tunnel im Zentrum von Stockholm und stellt die Verbindung zwischen Tomteboda an der nördlichen Stadtgrenze Stockholms und dem im Süden liegenden Stadtteil Södermalm dar.
Die STUVA würdigt mit dieser Preisverleihung Stockholms zukunftsweisende Nutzung von unterirdischem Raum für den innerstädtischen Verkehr und die Ausrichtung der Stadt-infrastruktur auf unterirdische Maßnahmen. Durch diese Maßnahmen können oberirdisch verlaufende Strecken für den ÖPNV und den Individualverkehr und dadurch das Stadtbild beeinträchtigende Verkehrswege vermieden werden.
Dieses Bestreben deckt sich mit den Zielen der STUVA und mit denen der diesjährigen STUVA-Tagung. Das Motto – Unterirdisches Bauen für zukunftsfähigen Umwelt- und Klimaschutz – findet hier seine Entsprechung. Der zielstrebig vorangetriebene Ausbau des unterirdischen Verkehrsnetzes bedeutet eine nachhaltige Schonung der vorhandenen Ressourcen, sowohl den vorhandene Raum betreffend als auch die energieschonende Bewältigung des in diesem Ballungszentrum vorhandenen Mobilitätsbedarfs. So bleibt oberirdisch Platz zum Leben.
Darüber hinaus kommen bei diesem Projekt innovative Herstellverfahren zum Einsatz, die herausragende Ingenieurleistungen erforderlich machen. Stellvertretend sei der Tunnel zwischen Södermalm und Riddarholmen genannt, der wegen des weichen Untergrundes nicht unmittelbar auf den Meeresgrund abgesetzt werden kann. Der dreiteilige Absenktunnel wurde stattdessen als Unterwasserbrücke konzipiert und auf 4 Stützen aufgelagert.
Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur Stockholms kann damit als Vorbild für andere europäische und internationale Großstädte dienen (Bild 3).
STUVA-Nachwuchspreis 2011
Als Siegerin des Vortragswettbewerbs im „Jungen Forum“ gewann Dipl.-Ing. Anna-Lena Wiese, Lehrstuhl für Tunnelbau, Leitungsbau und Baubetrieb, Ruhr-Universität Bochum den Preis für ihren Beitrag „Vergleichende Untersuchungen von Stauchelementen für den Einsatz in druckhaftem Gebirge“. Die Endauswahl erfolgte aufgrund einer Bewertung durch das Publikum der Vortragsveranstaltung, wobei der Vortragsinhalt, die Art der bildlichen Darstellung und die Vortragsweise in die Beurteilung eingingen. Anna-Lena Wiese überzeugte dabei auf allen Gebieten.
Der Preis besteht aus einer Reise nach China zu außergewöhnlichen Tunnel-Baustellen sowie zu einem Herstellwerk für Tunnelvortriebsmaschinen. Wir gratulieren Anna-Lena Wiese zu diesem Vortragserfolg und wünschen ihr eine ebenso wissenserweiternde wie erlebnisreiche Reise (Bild 4).
Tagungsband
Der Tagungsband – Band 44 in der STUVA-Buchreihe „Forschung + Praxis, U-Verkehr und unterirdisches Bauen“ – mit den Langfassungen aller Vorträge (jeweils in ihrer Originalvortragssprache deutsch oder englisch und Kurzfassungen in der jeweils anderen Sprache) erschien bereits zur Tagung und wurde an alle Tagungsteilnehmer ausgegeben. Weitere Exemplare sind über den Buchhandel oder direkt beim Verlag zu beziehen (Bauverlag BV GmbH, Profil – die Versandbuchhandlung, Avenwedder Str. 55, 33311 Gütersloh; 316 Seiten, 365 meist farbige Abbildungen und Tabellen, Format DIN A4, Broschur, ISBN 978-3-7625-3646-8, Preis 50,- Euro, Bild 5).
STUVA-Mitgliederversammlung 2011
Anlässlich der STUVA-Tagung `11 fand am 5. Dezember 2011 die reguläre Mitgliederversammlung der STUVA e.V. statt.
STUVA-Vorstand
Die Amtsdauer der folgenden, jeweils auf vier Jahre gewählten Vorstandsmitglieder lief mit der diesjährigen Mitgliederversammlung turnusmäßig aus:
• Dr.-Ing. Karl Morgen (1. stellvertretender Vorsitzender)
• Dipl.-Ing. Wolfgang Feldwisch
• Dipl.-Ing. Otto Schließler (2. stellvertretender Vorsitzender)
Die genannten Herren wurden für eine weitere Amtszeit in ihrer Funktion bestätigt.
Damit setzt sich der STUVA-Vorstand weiterhin wie folgt zusammen:
• Prof. Dr.-Ing. Martin Ziegler (Vorsitzender)
• Dr.-Ing. Karl Morgen (1. stellvertretender Vorsitzender)
• Dipl.-Ing. Otto Schließler (2. stellvertretender Vorsitzender)
• Dipl.-Ing. Wolfgang Feldwisch
• Dipl.-Ing. Edgar Schömig
• Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Günter Girnau (Ehrenmitglied des Vorstandes)
STUVA-Beirat
Aus dem Beirat der STUVA sind mit der Mitgliederversammlung 2011 folgende Herren ausgeschieden:
• Walter Reinarz, Kölner Verkehrs-Betriebe AG (geändertes Tätigkeitsfeld)
• Karl-Heinz Harnacke, Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (pensioniert)
Neu in den Beirat gewählt wurden:
• Dipl.-Ing. Jörn Schwarze, Kölner Verkehrs-Betriebe AG
• MR Karl-Heinz Collmeier, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Vormerktermin
STUVA-Tagung ´13
Die nächste STUVA-Tagung wird vom 26. bis 28. November im ICS Stuttgart stattfinden (Bild 6).
Erste Ergebnisse der Brandversuche des Forschungsvorhabens SOLIT2 auf der STUVA-Tagung ’11 veröffentlicht
Auf der STUVA-Tagung 2011 in Berlin wurden die ersten Ergebnisse der Brandversuche des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projekts SOLIT2 dem breiten Fachpublikum vorgestellt.
Im Rahmen der Vortragsveranstaltung referierte als Vertreter des SOLIT2-Konsortiums Dr. Roland Leucker (STUVA) über die „Ergebnisse von Brandversuchen zur Beurteilung der Effizienz von Wassernebel-Brandbekämpfungsanlagen in Straßentunneln“. Die Schriftfassung des Vortrags ist im Vortragsband zur Tagung sowie in tunnel 8/2011 (Dezember-Ausgabe) veröffentlicht. Auch im Vortrag von Max Lakkonen (Fogtec) mit dem Titel „State of the Art Fixed Fire Fighting Systems for Road and Rail Tunnels: From Fire Tests to Implementation“ wurden weitere, auf den Forschungsergebnissen von SOLIT2 basierende Informationen präsentiert.
Nach 2 Jahren intensiver Forschungsarbeit läuft die Förderung des Vorhabens Ende März 2012 aus. Ziel der Forschung war die Untersuchung der vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Wassernebel-Brandbekämpfungsanlagen und herkömmlichen Sicherheitseinrichtungen in Tunneln. Ein Meilenstein der Forschungsarbeit war die Durchführung von über 30 Lkw-Bränden im Maßstab 1:1 im Sommer 2011, um die wissenschaftlichen Entwicklungen mit reellen Messdaten zu untermauern. Das erarbeitete Wissen ermöglicht es, Einsparpotenziale im Gesamtsicherheitssystem zu identifizieren und praxisgerechte Lösungen zu entwickeln.
Zur Präsentation der Forschungsergebnisse war das Projekts SOLIT2 in der Ausstellung mit einem eigenen Stand vertreten. Dort machten zahlreiche interessierte Besucher von dem Angebot Gebrauch, sich im direkten Gespräch aus erster Hand zu informieren (Bild 7).
Als Abschlussveranstaltung mit weiteren exklusiven Berichten über die Ergebnisse des Forschungsprojektes SOLIT2 wird am 27. und 28. Juni 2012 eine internationale Konferenz mit Simultanübersetzung Deutsch/Englisch in Berlin veranstaltet. Nähere Informationen zu dieser Veranstaltung erhalten Sie unter: www.solit.info oder direkt bei der STUVA.